. .
  • Cyphophthalmi
  • Eupnoi
  • Dyspnoi
  • Laniatores
  • Opilionesincertae

Metagyndes innata (Roewer, 1929)


Adultes Männchen

Vorwort

Seit einiger Zeit werden aus Chile Weberknechte unter dem Namen Metagyndes innata oder Metagyndes chilensis importiert. Sicher ist, dass diese angebotenen Tiere zur Unterordnung der Laniatores gehören. Da mir aber eine genaue Bestimmung der Tiere nicht möglich ist werden diese Tiere in diesem Haltungsbericht als Metagyndes innata bezeichnet.

Herkunft und Vorkommen

Die hier vorgestellte Art soll aus Chile stammen. In Südamerika kommen zahlreiche Familien aus der Unterordnung Laniatores vor. Weberknechte aus dieser Unterordnung zeichnen sich durch eine Gestalt aus, die Menschen aus temperierten Zonen der nördlichen Hemispheren nicht geläufig ist, steht doch die Gestalt der oft stark bedornten und bunten Laniatores im Kontrast zu den zerbrechlich wirkenden langbeinigen Arten an deren Erscheinung der Mitteleuropäer gewohnt ist.

Äußere Merkmale und Geschlechtsdimorphismus

Die Körperlänge der Tiere liegt bei ungefähr 1 cm. Die Tiere sind dunkelrot gefärbt, etwaige Bedornung ist dunkebraun bis schwarz.
Die Art weist einen deutlichen Sexualdimorphismus auf. Das vierte Laufbeinpaar ist bei den Männchen dicker als bei den Weibchen und mit etlichen Dornen besetzt. Bei den Männchen sind die einfach bedornten Coxa des 4. Laufbeinpaares aus der Dorsalsicht gut sichtbar, bei den Weibchen besitzen die Coxa des 4. Laufbeinpaares nur einen sehr kleinen Dorn und sind stärker durch das Scutum des Opisthosomas verdeckt.

Adulte Weibchen

Verhalten

Die Tiere sind sozial und leben in Gruppen. Sie sitzen oft nah gedrängt beeinander im gleichen Unterschlupf.
Im Vergleich zu anderen Spinnentieren, bewegt sich Metagyndes innata recht langsam, wobei das 2. Laufbeinpaar antennenartig zum Ertasten der Umgebung genutzt wird. Die Tiere sind nachtaktiv und, verlassen in der Dämmerung ihre Verstecke auf der Suche nach Nahrung, die aus lebender Beute, Aas und vegetarischer Kost bestehen kann.
Werden die Tiere Licht ausgesetzt laufen sie aufgeregt umher auf der Suche nach einem dunklen Unterschlupf.
Es ist anzunehmen, dass bei den männlichen Tieren dieser Art eine gewisse Territorialität herrscht und jedes Männchen einen gewissen Raum mit mehreren Weibchen beansprucht.
Des Öfteren habe ich vermehrt tote männliche Tiere beobachtet, was aufgrund von Territorialkämpfen und daraus resultierendem Stress zurückzuführen sein könnte. Dies ist jedoch lediglich eine Vermutung, da ich nie beobachten konnte, dass männliche Tiere gegeneinander kämpften. Jedoch spricht die starke Bedornung der männlichen Tiere für solch ein Verhalten, das von vielen anderen Laniatores bekannt ist.

Haltungsbedingungen

Metagyndes innata wurde von mir unter recht unterschiedlichen Bedingungen gehalten, die jedoch alle zur Eiablage der Tiere führten.
Momentan halte ich die Tiere bei 15-18°C im Winter und 20-22°C im Sommer. Eine Haltung bei 10-15°C für ein halbes Jahr wurde von den Tieren ebenfalls ohne Probleme vertragen.
Der Behälter in dem die Tiere untergebracht sind, ist mit Kokoshumus gefüllt, der ständig nass-feucht gehalten wird und mit Collembolen durchsetzt ist. Für eine gute Belüftung sollte gesorgt sein, da unter diesen Bedingungen leicht großflächig Schimmelpilze wachsen können, wogegen die große Dichte an Collembolen wirkt.
Zahlreiche Korkstücke sorgen für vollständig dunkle Rückzugsmöglichkeiten. Ich hielt in einem Behälter mit den Maßen 20 cm x 35 cm x 20 cm über 20 Tiere problemlos.
Die Tiere werden einmal wöchentlich mit frisch getöteten Grillen gefüttert, wobei die Größe der Grillen ruhig die der Weberknechte überschreiten kann. Lebendige Tiere können auch gefüttert werden, jedoch sollten diese nicht allzu wehrhaft oder schnell sein, da Metagyndes innata diese sonst nicht erbeutet. Gekochte Karotten wurden ebenfalls verfüttert. Einen positiven Effekt durch zusätzliche vegetarische Kost konnte ich allerdings nicht unmittelbar ausmachen.

Nachzucht und Aufzucht

Der Ovipositor der Laniatores ist kurz und daher nicht geeignet um Eier versteckt in die Erde zu legen. Somit werden die Eigelege oft von den Weibchen bewacht. Bei manchen Arten bewachen die Männchen die Eigelege.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung die Nachzucht dieser Tiere sei sehr schwierig oder gar unmöglich habe ich andere Erfahrungen gemacht.
Unter den weiter oben genannten Haltungsbedingungen legten die Weibchen jedes Jahr im November-Dezember 10-20 Eier. Diese werden von den Weibchen bewacht, die das Gelege im Normalfall nicht verlassen. Wird ein Weibchen doch einmal verscheucht kehrt es so bald wie möglich zurück zu dem Gelege. Die Eier werden an die Rückseite von auf dem Boden aufliegenden Korkstücken gelegt und niemals auf den Boden.
Die Eier sind zunächst hellgrau, färben sich aber kurze Zeit vor dem Schlupf jedoch zu einem silbrig dunkelgrau um. Nach dem Schlupf verbleiben die Jungtiere mehrere Tage bei der Mutter.
Die Jungtiere sind dunkelgrau und besitzen noch keine Bedornung. Erst nach und nach mit jeder weiteren Häutung nähern sich die Tiere der Form und Farbe der adulten Tiere an. Im subadulten oder subsubadulten Stadium besitzen die Tiere eine bläulich gräuliche Färbung.
Die Jungtiere wurden mit frisch getöteten Grillen in passender Größe gefüttert, jedoch vermute ich auch, dass frisch geschlüpfte Tiere Collembolen erbeuten.
Eine Aufzucht der Tiere erfolgte in Gruppen von den adulten Tieren separiert und im gleichen Behälter mit den adulten Tieren. Es sind deutlich weniger Tiere adult geworden, als geschlüpft waren, jedoch konnte ich nicht beobachten, ob dies von Kannibalismus herrührte oder die Tiere ohne Zutun der anderen starben und von diesen anschließend gefressen wurde. Ich schätze, wenn man die Jungtiere im gleichen Behälter aufzieht, in dem auch die Adultis gehalten werden könnte es ratsam sein Versteckmöglichkeiten zu bieten, an die die adulten nicht rankommen.
Ab dem subadulten Stadium konnte ich beobachten, dass die Tiere sich zu der Gruppe der adulten gesellten.
Die Tiere waren innerhalb von 4-5 Monaten adult.

Besonderheiten

Berührt man die Tiere sondern sie einen schwach übel riechenden Geruch ab. Sekretionen in Form von deutlich sichtabren Flüssigkeitstropfen konnte ich jedoch nicht ausmachen.

F. Schramm, verfasst 2011